Direkt zum Hauptbereich

Lange oder oft belichten


Lange oder oft belichten

Eine Frage stellt sich wahrscheinlich jeder Anfänger. Ist es besser viele Bilder zu machen, die nur eine kurze oder ist es besser wenige Bilder zu machen, die eine lange Belichtungszeit haben? Natürlich gibt es viele, offensichtliche Punkte, die für die eine oder die andere Seite sprechen. Auf jeden Fall spricht aber nichts gegen den Versuch.

Das Offensichtliche

Zum Ausleserauschen und zum thermischen Rauschen habe ich schon etwas geschrieben. Genauso zu seltenen und schwachen Signalen. Zwei kräftige Argumente, die für eine lange Belichtungszeit sprechen. Es gibt aber genauso offensichtliche Punkte, die für eine kurze Besichtigungszeit sprechen. Kurz zusammengefasst: Lieber ein Bild von 60 löschen als ein Bild von 6.
Flugzeuge, Sateliten aber auch Sternschnuppen oder zum Beispiel ein Auto, das am Beobachtungsplatz vorbeifährt hinterlassen Spuren auf den Bildern. In der Regel sind diese Spuren unerwünscht. Diese hübschen, gestrichelten Linien, wenn die Lampen des Flugzeugs blinken. Der starke, gelbe Schein von einer Seite, wenn das Autolicht ins Teleskop streute. So ist schnell mal ein Bild unbrauchbar.
Der zweite Punkt ist die Nachführung. Ein Bild, das länger belichtet wird, muss länger auf die gleiche Stelle im Himmel gerichtet sein und stellt damit höhere Anforderungen an die Nachführung. Und das betrifft nicht nur die Ausrichtung der Montierung und die Motoren, sondern auch die Vorsicht. Man darf nicht einfach mal versehentlich dagegen stoßen. Oder ein kurzer Windstoß bringt das Teleskop zum Schwanken und versaut das eine Bild.

Nun konkret

In der Nacht vom 8. auf den 9.Mai habe ich den Irisnebel NGC7023 belichtet um Belichtungszeiten einfach auszuprobieren. Geplant waren 10 Minuten pro Bild, was leider nicht funktioniert hat. Nachführung, Flugzeuge, ... Alles Mögliche kann doch so in einer Nacht passieren. So sind es vier Bilder von je 6 Minuten Belichtungszeit geworden.
  • 3x120 Sekunden
  • 6x60 Sekunden
  • 12x30 Sekunden
  • 24x15 Sekunden
Hier sind etwa die gleichen Ausschnitte aus den Bildern. Die Bilder sind in nur gestackt. Eine Nachbearbietung hat nicht stattgefunden. Der Vergleich soll ja so direkt wie möglich sein.
Sternbild 1
Gleich fällt das grobe Rauschen bei der lang belichteten Aufnahme auf. Vor allem die grünen und blauen Punkte am rechten Rand. Da ist leider zu sagen, dass meine Kamerabatterie hat aufgegeben hat, bevor ich Darkframes machen konnte. So sind die Punkte leider noch vorhanden. Es fällt aber auch so auf, dass eine Menge Rauschen in dem Bild ist. Mit 24°C (Temperaturmessung in der Kamera, ausgelesen aus den RAW Daten) war es an dem Abend allerdings auch recht warm und das thermische Rauschen nimmt sicherlich größeren Einfluss.
Von der Tiefe der Bilder her, hat das 6x60 Bild gewonnen. Auf dem Bild habe ich ein paar Sterne erkennen können, die auf den anderen Bildern nicht zu finden waren, in meinem Astronomieprogramm aber verzeichnet sind. Das visuell betrachtet geringste Rauschen hat das 12x30 Bild, was zwar nicht den Eingangsüberlegungen zu Rauschverhalten entspricht, aber einfach zu erklären ist. Das Stichwort ist Dithering. Zwischen zwei Aufnahmen verschieb sich das Teleskop leicht und der gleiche Stern wird nicht mehr auf den gleichen Pixeln abgebildet. Beim Stacken wird verschoben und so werden unterschiedliche Kamerapixel überlagert. Da nicht jedes Pixel auf die gleiche Weise rauscht, gleicht sich zum Teil das Rauschen wieder aus.
Das die Bilder mit längerer Belichtungszeit immer mehr Rot werden, lässt sich gut dadurch erklären, dass die Kamera empfindlicher für Rot ist. Um das auszugleichen, ist zwar ein Filter verbaut (meine Kamera hat keinen Astronomieumbau), aber das heißt ja nicht, dass die Empfindlichkeit ausgeglichen ist. Das System ist eine Alltagskamera und als solche zu betrachten. Ein Alltagsbild wird eher nicht 2 Minuten belichtet.

Fazit

Die oben genannten Punkte haben sich bestätigt und es zeigt sich wie so oft, dass ein Mittelweg gefunden werden muss. Eine Belichtungszeit von 120 Sekunden schafft meine Montierung kaum. Da ist der Ausschuss einfach zu hoch. Eine Belichtung von 15 Sekunden ist einfach zu kurz. Da kommt zu wenig Licht an. Neu ist für mich der überraschend große Einfluss von rotem Licht. Da so viele Regionen zwischen den Sternen rot sind, spricht noch etwas mehr für lange Belichtungen.
Für mich konkret wird es wohl die nächste Zeit bei 60 Sekunden Belichtungszeit bleiben. Allerdings rückt das Thema Nachführung noch deutlich weiter nach oben auf der Liste. Solange man es nicht übertreibt mit der Belichtungszeit (Stichwort: Strichspur) ist bestätigt, dass lange Belichtungszeiten sinnvoller sind.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

First Light

First Light Das Wetter ist gut und so kann es losgehen. Es ist nur irre kalt. In den Morgenstunden könnten es zweistellige Minusgrade werden. Aber das ist wohl im Februar immer mal möglich. Das soll nicht abhalten. Das ist auch eine Gelegenheit endlich mal warme Kleidung zu testen. Der Ort Ich wurde nicht enttäuscht. Es ist richtig dunkel. Eine kleine Nebenstraße führt durch Felder. Immer wieder gibt es Wege für Traktoren, auf denen man gut halten kann und auf denen genügend Platz für die Ausrüstung ist. Der Horizont ist zwar etwas durch Wald verdeckt und in Richtung NW stehen ein paar Bäume, das ist aber nicht so schlimm. In Richtung W sieht man etwas Aufhellung am Horizont, aber auch das stört nicht. Hier werde ich auf jeden Fall wieder hinfahren. Ein wenig bin ich überrascht, dass so schnell ein guter Ort gefunden werden konnte. Eine Schätzung der Grenzgröße habe ich nicht gemacht, aber das Band der Milchstraße konnte erahnt werden. Ich denke, viel besser kann man es in erreich...

Objektivtest und ISO

Objektivtest und ISO Mal wieder ein schöner Tag. So oft kommt das hier offensichtlich nicht vor. Ist aber auch nicht so schlimm. Dann ist Zeit genug, dass ich mich ausführlich mit den Ergebnissen des letzten Ausflugs und Möglichkeiten auf dem nächsten Ausflug befasse. Dieses Mal sollte also das 120-300mm Objektiv und der Einfluss von ISO auf die Ergebnisse getestet werden. Der Ort Zuerst aber wieder ein paar Worte zum Ort. Noch während des Aufbauens hat ein Auto gehalten. Dirk war einfach interessiert und hat sich alles ausführlich mal angesehen. Leider war noch nicht aufgebaut und es war auch noch nicht so richtig dunkel, dass ich nicht viel zeigen konnte. In der Nacht kam dann noch Andreas vorbei. Er wohnt in dem Haus in Sichtweite und wir haben etwas über Sternbilder und dunklen Himmel gesprochen. Das war nett. Besonders ist uns der Bienenkorbhaufen (M44) im Krebs aufgefallen ein wirklich lohnenswertes Objekt für den Feldstecher. Der Zusammenhang der Sterne wird zwar nicht so ...

Bahtinov Maske

Die Bahtinov Maske Wer hätte das gedacht. Da bastel ich ne Stunde einfach mal so etwas zusammen und es hat einen so großen Effekt? Das muss ich doch gleich wieder tun. Und noch mal in Ordentlich. Ein Lob auf die Bahtinov Maske. Das Problem Eine der großen Schwierigkeiten sowohl bei der Astrofotografie als auch beim visuellen Beobachten ist das Scharfstellen. Vieles an Hilfsmitteln sammelst sich da so mit der Zeit an. Technische Hilfsmittel wie genauere Fokusauszüge, die eine feiere Einstellung ermöglichen oder bei der Kamera das Livebild mit einer Vergrößerungsfunktion. Allerdings auch Tipps und Tricks, wie zum Beispiel das Fokussieren an einem hellen Stern, da dann Beugungsscheiben leichter zu erkennen sind oder der genaue Blick auf die erkennbare Grenzgröße. Es bleibt aber dabei: So richtig gut wird es nicht immer. Die Lösung Eine Bahtinov Maske vor der Öffnung soll das Beugungsscheibchen vor allem sehr nah am Fokus so "umgestalten", dass ein Fokussieren sehr leic...